Der Buchstabenstein
Er befindet sich in Meißen, und zwar am Stufenweg, genannt der Seelensteig, der dortigen hohen Futtermauer des Grundstückes Freiheit 10. Auf dem Stein sind die ersten fünf Großbuchstaben des „ Meiss’nisch -Kanzlei- Alphabetes “ so ineinander verschlungen, dass sich alle Buchstaben des Alphabetes darauf abzeichnen. Dabei unterscheiden sich allerdings die Buchstaben I und J nur durch einen aufgesetzten Punkt.
Nach Meinung und Recherchen eines Dresdners sei der Stein in Erinnerung an die Bibel- übersetzung durch Martin Luther auf der Wartburg in das Meiss’nisch-Kanzlei-Deutsch – die damalige Hochsprache der deutschen Kleinstaaten – geschaffen worden. Durch Johann Gutenbergs Erfindung des modernen Buchdrucks sei die Lutherbibel von 1523 bis 1533 in sehr hoher Auflage in dieser Schrift gedruckt worden.
Die Schriftart verweist auf den Barock. Solcherart verschlungene Initialen sind in dieser Zeit durchaus nicht selten. Wahrscheinlich deutet der Buchstabenstein auf damalige Haus- eigentümer hin, welche das Grundstück 1690 erwarben, nämlich auf den kurfürstlichen Kreisamtsbeamten Christoph Beyer und dessen Ehefrau Anna Elisabeth Beyer. Aus den Anfangsbuchstaben dieser Namen kann man wohl unschwer die vier Buchstaben A, B, C, E ableiten. Die Meißner haben seit Generationen herausgefunden, dass man mit einiger Fantasie sämtliche Großbuchstaben des Alphabets herausdeuten kann. unter Umständen ist der sekundär vermauerte Stein ehemals Schlussstein eines dortigen Hausportales gewesen. Einen Bezug zu Luther hatte dieser Monogrammstein also nie, nach Meinung eines Meißners.
Bei einem Spaziergang auf dem Weg vom Markt zur Frauenkirche und dann die Stufen entlang Richtung Dom und Albrechtsburg, kann man sich den Buchstabenstein gleich mit anschauen. |





